Verzögerungen und Verluste: Das Comeback der Atomkraft in Finnland wird zum Desaster

Der Bau von Atomkraftwerken war in den 1970er und 1980er Jahren ein gutes Geschäft. Dann allerdings rückten mehr und mehr die Risiken dieser Technologie in den Vordergrund. Immer mehr Staaten verzichteten daher auf Neubauprojekte. Seit den 1990er Jahren ist das Geschäft in Europa daher weitgehend zum Erliegen gekommen. Ein Projekt in Finnland sollte dies eigentlich ändern. Dort versprach ein Konsortium aus Siemens und Areva bereits im Jahr 2002 einen neuen Reaktor zu bauen. Der Clou: Die beiden Firmen garantierten einen Festpreis von drei Milliarden Euro. Das Projekt sollte dazu dienen, unter Beweis zu stellen, dass die europäische Atomindustrie noch immer in der Lage ist, günstige und sichere Atommeiler zu bauen. Dadurch erhofften sich die beteiligten Firmen dann zahlreiche Folgeaufträge.
Bild: Gemeinfrei
Die örtliche Gemeinde gehört zu den wenigen Gewinnern des Projekts
Doch aus diesen Plänen wurde nichts. Denn auf der finnischen Insel Olkiluoto wird weiterhin fleißig gebaut. Der eigentlich für das Jahr 2012 geplante Betriebsbeginn musste immer weiter nach hinten geschoben werden. Klagen oder Proteste waren dafür allerdings nicht verantwortlich. Die Atomkraft ist in Finnland weitgehend unumstritten. Die örtliche Gemeinde befürwortet das Projekt zudem, weil dadurch konstant hohe Steuereinnahmen garantiert sind. Diese fließen auch jetzt schon, obwohl die Anlage noch gar nicht in Betrieb ist. Wie aber kam es zu den Verzögerungen und den damit einhergehenden Verlusten beim Bau des Atommeilers? Zunächst einmal krankte das Projekt von Beginn an daran, dass keine finale Planung vorlag. So war man sich zwar über das grundsätzliche Design einig, viele Detailfragen wurden aber erst später entschieden – was teilweise viel Zeit kostete.
Der französische Steuerzahler dürfte auf den Kosten sitzen bleiben
Außerdem wurde den Unternehmen die lange Pause beim Bau neuer Atomkraftwerke zum Verhängnis. Denn es gab in den 2000er Jahren kaum noch zertifizierte Zulieferer. Viele Bauteile mussten daher erst aufwändig geprüft und abgenommen werden. Erschwert wurde diese Problematik durch die Tatsache, dass ein sogenannter europäischer Druckwasserreaktor gebaut wird. Dieser soll sicherer sein als die in der Vergangenheit gebauten Reaktoren – ist daher aber logischerweise auch teilweise anders konzipiert. Die nötige Lernkurve beim Bau wurde von den beteiligten Firmen offensichtlich unterschätzt. Inzwischen handelt es sich allerdings um ein rein französisches Projekt. Denn Siemens hat seine Atomsparte im Anschluss an die Atomkatastrophe von Fukushima ins Nachbarland verkauft. Die Kosten für das gescheiterte Comeback der Atomkraft in Westeuropa trägt aktuell daher überwiegend der französische Steuerzahler.
Via: DLF

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