TV-Tipp: Polizeiruf 110: Tod einer Journalistin

Eine Frau betritt am helllichten Tag eine Kirche, wo in einer der ersten Reihen ein Mann mit übergezogener Kapuze wartet. Draußen checkt ein anderer die Lage. Wenig später bringt er am Auto der Frau ein Ortungsgerät an, während sie in der Kirche brisante Informationen erhält.Dann geht alles sehr schnell: Auf der Fahrt abends löst sich das rechte Vorderrad ihres Wagens. Schließlich knallt das Fahrzeug gegen einen Baum. Den grausigen Rest erledigt der Killer mit seinen Händen.Wenn an diesem Sonntag (20.15 Uhr) im Ersten die neue Folge der Krimireihe «Polizeiruf 110» läuft, bekommen die Zuschauer den Mörder gleich in den ersten Minuten zu Gesicht. Gegenüber Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), die gemeinsam im deutsch-polnischen Kommissariat Swiecko ermitteln, hat das Publikum damit einen klaren Informationsvorsprung. Doch der währt nicht lange. Schon bald wird klar, dass die eigentlichen Verantwortlichen aus der Politik und Wirtschaft zu stammen scheinen.Die Ermordete war eine renommierte Investigativjournalistin (Antje Traue), die die illegalen Machenschaften des Energiekonzerns Ergatome aufzudecken versuchte. Das Unternehmen will im polnischen Grenzland ein Atomkraftwerk errichten und kämpft vor Gericht um eine Baugenehmigung, gegen die sowohl Umweltverbände als auch Anwohner Widerstand leisten. Sie fürchten eine Nuklearkatastrophe, wie sie sich vor Jahren im japanischen Fukushima ereignete.Tatsächlich sind die Bedingungen für den Bau eines Atomkraftwerks äußerst ungünstig. Dennoch versucht ihn der Konzern mit allen Mitteln durchzusetzen und bekommt dabei Hilfe von einem korrupten Staatssekretär.«Tod einer Journalistin» nimmt sich eines aktuellen Themas an und geht auf Fragen ein, die dieser Tage lebhaft diskutiert werden. Aus dem Gegensatz von Wirtschafts- und Umweltinteressen ergibt sich ein Konflikt, der in dieser Folge mehrere Institutionen berührt. Justiz, Journalismus, Politik und Wissenschaft sind in den Fall genauso involviert wie der Energiekonzern und die Umweltverbände.Für die Verstrickungen hat Adam Raczek aber einen guten Riecher. Der Kommissar zeigt dieses Mal wenig von seinem aufbrausenden Temperament, demonstriert dafür umso mehr Bauernschläue. Mehrmals gelingt es ihm, mit alternativen Methoden den Fall voranzubringen.Dass die Verhältnisse letztlich weitaus komplizierter sind, als sich anfangs vermuten lässt, macht «Tod einer Journalistin» zu einer sehenswerten Folge. Sie bleibt bis zum Schluss spannend und überrascht mit mehreren Wendungen, die unter anderem aufklären, dass an dem Mord noch eine andere Partei beteiligt war, dabei jedoch keine geschäftlichen Interessen verfolgte.

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